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Stuttgart 21

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Grüne gegen Stuttgart 21

Kopfbahnhof 21: Die 10 wichtigsten Argumente


Mühlacker Tagblatt 8. Oktober 2010

Protestwelle schwappt nach Mühlacker

Stuttgart 21, 7.10.10

Susanne Mauch-Friz erklärt als Rednerin auf der Kundgebung vor dem Mühlacker Bahnhof, warum immer mehr Menschen gegen Stuttgart 21 auf die Straße gehen. Foto: Goertz

Kundgebung gegen Stuttgart 21 – Fassungslosigkeit in Reimform – Die Eskalation im Schlossgarten hat viel verändert

Der Protest gegen Stuttgart 21 ist in der Region angekommen. Gestern Abend haben 65 Gegner des umstrittenen Milliardenprojekts vor dem Mühlacker Bahnhof demonstriert.

Von Frank Goertz

Mühlacker. „Wir wollen in der Fläche aktiv werden“, sagt Frank-Ulrich Seemann, Stadtverbandsvorsitzender der Grünen, „um mit dem Gerücht aufzuräumen, S 21 sei nur ein Stuttgarter Thema.“ Das Geld, so Seemann, das für das Milliardenprojekt der Bahn verschwendet werde, würde später an allen Ecken und Enden fehlen. Nicht nur für Infrastrukturprojekte der Bahn in der Region, sondern auch für Schulen und Kindergärten.

Seit dem vergangenen Donnerstag, als die Polizei im Schlossgarten mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Pfefferspray gegen Demonstranten vorgegangen ist, hat der Protest eine neue Dimension bekommen. Diese Dimension hat die Stuttgarterin Susanne Mauch-Friz, die bei der Diakonie in Mühlacker arbeitet, in ihrer Rede auf der Kundgebung beschrieben. „Wer hier von Berufsdemonstranten und Chaoten spricht, hat nichts verstanden. Der zieht dann die einzigen Register, die ihm einfallen: hunderte von vermummten, martialisch aussehenden Polizisten, lässt Wasserwerfer gegen erschrockene Jugendliche auffahren und Reizgas versprühen, das hunderte heulen, kotzen und bluten lässt.“ Viele hätten am vergangenen Donnerstag gesagt: „Ich bin heute zum ersten Mal auf einer Demo. Als ich das mit den Wasserwerfern sah, musste ich kommen.“

„Wer von Berufsdemonstranten und Chaoten spricht,
hat nichts verstanden“

Dem Hinweis der Befürworter, Stuttgart 21 sei demokratisch legitimiert, hält Mauch-Friz entgegen, dass in einer aufgeklärten Demokratie der Rechtsstaat nicht einfach sagen könne: „Aus dem Weg Leute, wir haben das vor ewigen Zeiten so beschlossen. Das wird jetzt so gemacht.“ Natürlich müsse es Planungssicherheit geben, gibt Mauch-Friz zu. „Aber bitte nicht so, dass man den Bürgern alte Planfeststellungsbeschlüsse um die Ohren haut.“ Planungssicherheit entstehe, findet die Sozialpädagogin und Konfliktberaterin, wenn man die Bürger überzeugt, auf ihre Kritik eingeht, die Planungen überprüft und, wenn notwendig, verändert.

Dem gerade erst in Gang gekommenen Dialog sieht Mauch-Friz skeptisch entgegen, weil die Projektbefürworter keinen Baustopp anbieten. Das Angebot, die Bahn würde jetzt alle Pläne auf den Tisch legen, kommentiert sie empört: „Warum zum Teufel hat die Bahn das nicht schon selbstverständlich immer getan?“

Trotzdem will sie den Dialog nicht von vornherein für gescheitert erklären. „Heiner Geißler ist ein erfahrener Politiker, aber auch er kann nicht zaubern. Beide Seiten müssen sich bewegen – aber ein bisschen Bahnhof gibt es halt nicht.“
Einen Abgesang auf den Stuttgarter Bahnhof hat eine ältere Dame in Reimform verfasst und Frank-Ulrich Seemann in die Hände gedruckt, er möge doch bitte ihr Gedicht vorlesen. „Jahrhundertbauwerk wird’s gepriese/Jahrzehntelang wird mr zahle müsse/Stuttgart eisazwanzge? Noi!/Wer gibt euch so a Hybris ei?/Net älles, was mr mache ka/muaß mr au mache, denket dra!/Von andre Kopfbahhöfe fahret no Züge ab en hondert Jahre!/Au dr Studiosus wird net heller,/kommt er nach Ulm a bissle schneller“, gießt die S 21-Gegnerin ihre Fassungslosigkeit in Worte.

„Demokratie kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Volksherrschaft“

Das letzte Wort auf der Kundgebung hatte Emre Nazli vom Kreisvorstand der Grünen, der daran erinnerte, das der Begriff „Demokratie“ aus dem Altgriechischen kommt und „Volksherrschaft“ bedeutet. Wenn es nach ihm ginge, könnte sich Regierungschef Stefan Mappus nach der Landtagswahl am 27.März 2011 auf der Oppositionsbank ansehen, wie wirkliche Jahrhundertprojekte in Angriff genommen werden, etwa der Kampf für bessere Bildungschancen und gegen Kinderarmut.Stuttgart 21, 7.10.10

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